Grundhaltungen, Methoden, Tools

Der Personzentrierte Ansatz: Humanistisch, Existenziell, Phänomenologisch

Die Personzentrierte Haltung spricht das latent vorhandene, nicht ausgeschöpfte Potenzial von Personen und Gruppen an. Personzentriert arbeiten heißt besondere kommunikative Bedingungen schaffen in denen sich individuelles Potenzial und Gruppenpotenzial angemessen entwickeln können.

Humanismus und Aufklärung haben den Menschen selbst zum Maßstab unseres Handelns gemacht. Der humanistische Grundgedanke betont die Einzigartigkeit, die Wahlfreiheit, die Möglichkeit der Wertsetzung und der Selbstverwirklichung, aber auch die ethische Verpflichtung von uns Menschen. Die Existenzphilosophie fragt nach den konkreten Bedingungen unseres Daseins und erweitert den Humanismus um die Dimensionen Teilnahme und Verantwortung, Zeitlichkeit und Endlichkeit.

Im personzentrierten Ansatz steht die Phänomenologie als erkenntnistheoretisches Werkzeug im Vordergrund. Das bedeutet eine Vorsicht bezüglich schneller Interpretation, Theorien werden nicht verabsolutiert. Die Autonomie der Erfahrung des Anderen, eingebettet im konkreten Erfahrungsbereich seines Alltags wird besonders respektiert.

Systemisch

Mit einer systemischen Grundhaltung zu arbeiten, bedeutet den interaktiven Aspekt der Kommunikation zu sehen. Der Begriff Zirkularität meint die Tatsache, dass Dinge und Personen in der Welt nicht isoliert vorkommen, sondern in Beziehung zu anderen Dingen und Personen sind und dass diese Beziehungen als wechselseitige Wirkbeziehungen gesehen werden müssen. Der systemische Begriff Evolution beschreibt, dass es sich dabei um dynamische Systeme handelt, die sich ständig weiter entfalten. Die Systemumgebung bildet den Horizont, innerhalb dessen eine solche Entfaltung realisiert werden kann.

Dialog

Der persönliche Dialog ist eine unentbehrliche, meist auch hinreichende Bedingung zur unmittelbaren Begegnung im Prozess der Beratung. Der Dialog gilt seit Sokrates als Methode zur Gewinnung von Erkenntnis. Sokrates, der Philosoph der Antike bezeichnete seine Kunst der Gesprächsführung, in Anspielung auf den Beruf seiner Mutter, als Hebammenkunst, also Hilfestellung bei der Menschwerdung.

Der Dialog wurde in der Philosophie mit den Grundbedingungen des Menschwerdens in Beziehung gesetzt. In der Beratung werden Begegnung und Dialog durch gezielte Gesprächsführung, also durch Techniken realisiert, durch welche die Arbeitsbeziehung, die Alter-Ego-Beziehung, die Übertragungsbeziehung und die Dialogbeziehung im engeren Sinn verwirklicht werden.

Rollenspiel

Das Rollenspiel ist eine erlebnisaktivierende Methode, in welcher Einsichten und Möglichkeiten, Emotionen und körperlich wahrnehmbare Befindlichkeiten im Handeln ergründet werden. Im Einzelsetting und in der Gruppe können reale Situationen nach- und vorgespielt und so Handlungsspielräume erweitert werden. Das Rollenspiel eignet sicher auch sehr gut um das sogenannte „innere Team“, einen inneren Dialoge oder ein ambivalentes Verhalten eines Klienten besser erfahrbar und bearbeitbar werden zu lassen.

Sandspiel

Die Geschichte des Sandspiels - World Technique
In den 30er Jahren des 20.Jahrhunderts entwickelte die britische Ärztin Margaret Lowenfeld eine Sandspielmethode die sie World Technique nannte. Dem Klienten, der Klientin werden ein Sandkasten und kleine Figuren von Menschen aller Länder und jeden Alters, von Tieren aus allen Kontinenten, Gebäuden aller Art, Bäumen, Zäunen, Autos, Schiffen, sowie verschiedene Materialien wie Steine usw. zur Verfügung gestellt. Daraus gestaltet er/sie im Sandkasten völlig frei Landschaften, soziale Situationen und Bilder. Die entstehenden Szenarien haben für den Klienten, die Klientin eine Erlebnisbedeutung, die ihm selbst und dem Therapeuten Aufschluss geben über seine/ihre Situation. Diese Methode findet seither in therapeutischen Prozessen und bei Tests Verwendung. Es ist wenig bekannt, dass das Sandspiel auch schon früh eingesetzt wurde um Führungsqualitäten und Dominanzverhalten zu erkennen.

Sandspiel in Coaching und Beratung
Ich setze das Sandspiel in Coaching und Beratung ein. Es ist ein effizientes Tool zur Visualisierung komplexer sozialer Systeme. Die Vielfalt der Miniaturen ermöglicht differenzierte Darstellungen, deren Bedeutung sich im begleitenden Gespräch erschließt. Die Sandspiel-Methode geht jedoch in der Praxis über eine bloße Situations-Beschreibung und Analyse hinaus. Es zeigt sich bei Klienten ein intuitives Wissen, welches zur Veränderung der Situation genützt werden kann. Das Sandspiel wird damit zu einer Möglichkeit des Verstehens und des Probehandelns. Ähnlich wie bei der Aufstellungsarbeit kann der Klient hier seine inneren Bilder, die er von einer bestimmten Situation hat, externalisieren und sie damit der Bearbeitung zugänglich machen. Der Vorteil gegenüber der Aufstellungsarbeit liegt in der einfacheren Handhabbarkeit.

Mit dem Sandspiel arbeite ich sowohl mit einzelnen Klienten, wie auch mit Gruppen. Man kann damit sehr effizient äußere Systeme wie Organisations- und Teamstrukturen aufstellen. Es lassen sich jedoch auch interne Systeme wie Werte, Überzeugungen oder innere Konflikte darstellen und bearbeiten.

Figuren und andere kleine Gegenstände werden als Repräsentanten verwendet, wodurch ein hypothetisches dreidimensionales Abbild eines realen Systems entsteht. Die spielerisch aktiven Klienten können sich in die Personen einfühlen, für die die jeweilige Figur steht. Sie können berichten, was diese wahrnehmen, wie es ihnen in der Situation ergeht und was an dem System zu verändern ist, damit eine Lösung entstehen kann. In einer schrittweisen Arbeit werden die Beziehungen zwischen den Figuren beschrieben und Handlungsimpulse bemerkt. Die Abstände und Winkel der Figuren zueinander verändern sich. Wenn sich an einer Position ein bestimmtes Rollenverhalten ändert, werden weitere Figuren hinzugenommen oder sie werden ausgetauscht.

Wenn ein von einem Klienten oder einer Gruppe erarbeitetes Lösungsbild entstanden ist, bedeutet das, dass ein Prozess stattgefunden hat. Dies geschieht nicht durch die Deutungsarbeit eines Experten sondern durch subjektive Erfahrungen auf Seite des Klienten oder der Gruppe.